Jon Lord geleitet uns durch To Notice Such Things, Titel für Titel.
- Das erste Movement basiert auf der Eröffnungsmusik der Show, die wir machten, und das erste Stück das er gewöhnlich las war ein Gedicht von W.H. Auden. Ich nehme an es handelt vom Triumph der Zeit. Es beginnt zunächst wirklich tapfer und ziemlich fröhlich und es heißt As I Walked Out One Evening.
Es endet auf eine eher niedergeschlagene Weise mit der Warnung dass ‘…du die Zeit nicht überwinden kannst.’
- Das nächste Stück heißt At Court, und dies ist wo ich versuche mir John vorzustellen als er in seiner Glorie in den späten 60ern, 70ern und den frühen 80ern einer der großartigsten Rechtsanwälte von London war. Er war bekannt für seinen enorm schnellen Witz und umwerfenden Humor, und seine Liebe für Debatten. Ebenso liebte er Frauen, und so verwende ich das Wort Hof unter den gegebenen Umständen nicht nur für den Gerichtshof sondern auch für den Hof machen. Die große Melodie in der Mitte ist Sir John verliebt. Es ist wirklich über ihn in jenen Jahren als er auf seinem Höhepunkt war. Dieser enorm witzige und wunderbare Mann.
- Das dritte Movement heißt Turville Heath. Dies ist wo John gelebt hat; es ist in den Chiltern Hills, nicht zu weit weg von wo ich lebe, ungefähr drei Meilen. Er lebte sein ganzes Leben dort in dem Haus das sein Vater gebaut hat. Dort wurde er geboren und dort starb er auch. Es ist über Sir John wie er einfach dort in seinem Garten, den auch sein Vater geliebt hatte, umherschlendert.
- The Stick Dance beschreibt Ereignisse viel später in Johns Leben. Am Ende konnte er seine Beine nicht mehr gebrauchen, und in den paar Jahren davor musste er an einem Stock gehen. Er liebte es zu tanzen, aber natürlich konnte er es dann nicht mehr. Also stand er da mit seinem Stock in der einen Hand und in seiner anderen Hand war die Hand einer jungen Frau, die all das Swingen besorgte. Er stand da und genoss den Anblick. Das Stück versucht, diesen Anblick heraufzubeschwören. Am Ende gerät er natürlich etwas außer Atem einfach nur vom dastehen, und er muss sich hinsetzen. Die Musik wird langsamer und klingt am Ende ab in das nächste Movement.
- The Winter of a Dormouse ist ein Bild von Johns letztem Winter, der eine harte Zeit war für jedermann der ihn kannte – aber man kann sich nur vorstellen wie es für ihn gewesen sein muss.
- Es endet mit einem Movement genannt Afterwards, welches das letzte Gedicht ist das John gewöhnlich in seiner Show las. Es ist ein Gedicht von Thomas Hardy in welchem sich der Dichter vorzustellen versucht was die Leute über ihn sagen könnten nachdem er gestorben ist. John beendete die Show, indem er sagte dass er das Gedicht zum Gedenken an seinen Vater lese, und dann sollte er sagen “Oder vielleicht als ein Epitaph für mich.” Dieses Stück basiert auf der Musik die ich gewöhnlich spielte während das Gedicht gelesen wurde.
- Es endet traurig aber ich hoffe dass es auch erbaulich ist, und dass es zeigt dass, obwohl er von uns gegangen ist, die Erinnerung an ihn hell und klar und gut ist, und wir immer noch über ihn lächeln. Das ist das Gefühl dieses Stückes für mich. Es ist ein weiteres meiner herbstlichen Stücke.
Aber sogar mit dem traurigen Ende ist das vorrangige Gefühl des gesamten Albums ein sehr erbauliches Gefühl.
- Das war Sir John. Sein Charakter durchdringt das ganze Album – obwohl die drei letzten Stücke nicht über ihn geschrieben sind. Das ganze Album ist wirklich zustande gekommen als ein Resultat davon über ihn zu schreiben, und ich denke das ist eine gute Sache. Ich bin sehr glücklich darüber.
Zusätzliche Stücke
Das neue Album enthält drei zusätzliche Stücke; Evening Song, For Example und Air On the Blue String.
- Der Geschäftsführer des Royal Philharmonic Orchestra, Andrew Cornall, schlug vor, Evening Song zu machen. Ich fragte wer es singen würde, aber er schlug vor es als Instrumental zu machen. Also ersetzte ich den Gesang mit einer Altflöte und einem Waldhorn, und los ging es.
- Es gefällt mir. Es stellte sich als sehr warmes Stück heraus, und es sagt noch immer sehr das Gleiche aus was die Worte sagen. Es war nicht etwas das ich besonders erwartete zu tun, einfach eine jener unüblichen Anfragen und als ich es machte, und ich hörte es beinahe zum ersten Mal als wir es aufnahmen, war es auch eine erhebende Erfahrung. Ich habe niemals zuvor eines meiner Stücke als Instrumental arrangiert. Es war eine unterschiedliche Disziplin, und eine sehr erfreuliche. Es hat mir die Idee für ein paar weitere Instrumentale gegeben, die auf Liedern basieren.
- Das nächste Stück ist For Example, das sein Dasein als kleines Pianostück begann, gewidmet meinen Freunden den Trondheim Soloists und ihrem musikalischen Leiter Øyvind Gimse. Dies ist jetzt zu etwas sehr, sehr Unterschiedlichem und viel größerem Stück geworden. Zuerst ist es eine Hommage an Edward Grieg, einem Komponisten der mich sehr inspiriert hat als ich jung war. Aber es ist zu mehr geworden als das. Es wurde zu einer Elegie für meinen Klavierlehrer, Frederick Alt, der ein sehr gestörter Mann war und kein leichtes Leben hatte. Er brachte mich zu Grieg und es hat etwas zu tun mit jenen vergessenen Jahren vor langer Zeit in meinen frühen Teens.
- Also wurde es zu einem viel größeren Stück, als was es vor zwei oder drei Jahren begann, und es gefällt mir noch immer ebenso sehr wie irgendetwas das ich jemals geschrieben habe. Es kam schnell als ich begann daran für das Album zu arbeiten mit dieser neuen Art es zu betrachten. Es wuchs einfach.
- Irgendwie erkannte ich, als ich es schrieb, dass es offensichtlich mehr war als nur Edward Grieg und meine Schuld an ihn. Es war viel weiter und tiefer als das, und mir wurde bewusst dass ich meinen Respekt jemandem zollte der mir so viel gegeben hatte, und dass ich das zu der Zeit offensichtlich nicht erkannt hatte.
- Als ich aufhörte Klavierstunden zu nehmen und Leicester verließ und mit meinem Leben weitermachte, dachte ich nicht sehr viel an Frederick. Ein paar Jahre später bemerkte ich dass er unter schwierigen Umständen gestorben war und ich nehme an, ich versuchte einfach das zu berühren.
Die Zeit in Jons Leben die For Example inspirierte ist tatsächlich nicht allzu weit entfernt von dem was Boom of the Tingling Strings inspirierte.
- Das erste Movement von Boom ist über mich als ich ein sehr junger Knabe war und ich erinnere mich einfach nur an jene frühen musikalischen Einflüsse, wie Tanten die Klavier spielen, und solche Sachen. Irgendwie kommt For Example zwischen Movement Eins und Zwei von Boom of the Tingling Strings – oder irgendwo dort drinnen weil das zweite Movement von Boom über mich ist, wie ich drunten in London bin und es geschafft habe zu entkommen und meinen Weg zu finden.
- Es ist schrecklich schwierig genau zu sagen wovon ein Musikstück handelt weil es am Ende von gar nichts handeln muss. Musik muss nur von sich selber handeln, und wenn sie dich berührt, kannst du das Bild selber malen. Es muss nicht wirklich der Komponist sein der das Bild für dich vormalt, aber manchmal ist es nützlich zu wissen, woran der Komponist denkt. Und ein Zuhörer mag sagen ‘Nein, es tut nichts davon’. Natürlich kannten Sie als Zuhörer meinen Klavierlehrer nicht, Sie kannten Edward Grieg nicht, aber Sie haben Griegs Musik gehört, also könnte das ein Berührungspunkt sein. Aber es zählt nicht wovon es handelt. Was zählt ist ob es Sie berührt. Und Sie malen Ihr eigenes Bild.
- Der Zuhörer sollte dazu ermuntert werden, die Musik ihn oder sie einfach dorthin führen zu lassen, wohin sie will. Die Sache ist die, bei For Example bin ich nicht ganz sicher was die Bilder in meinen Gedanken waren weil die Musik beinahe ankam als das was man absolute Musik nennen könnte. Es war nicht wirklich als ob ich ein Bild malte als ich es schrieb; es floss einfach aus mir heraus. Das ist es weshalb es mir so gut gefällt, weil ich erst als ich es zum ersten Mal hörte und wir es aufnahmen, vollständiger erkannte, worüber es sein könnte. Und so war ich fasziniert von diesem Prozess – es ist ein Prozess der nicht unbedingt schon vorher so leicht vor sich gegangen ist. Also freute ich mich wie ein kleines Kind darüber.
- Air on the Blue String ist ein weiteres Stück das gewachsen ist. Es ist dem Cellisten Matthew Barley gewidmet, wegen einer Bemerkung darüber dass er einem jungen Cellospieler gesagt hatte er solle in Betracht ziehen den Blues zu hören oder vielleicht sogar zu versuchen zu improvisieren – oder man könnte es ‘nicht vom Blatt spielen’ nennen – und dass ihm das bei seiner Interpretation von Bach helfen könnte.
- Nun, ob irgendjemand sonst dieser Bemerkung von Matthew zustimmen würde weiß ich nicht, aber der Gedanke dahinter versetzte meine kreativen Säfte in Wallung.
- Alles in allem, wenn man bedenkt dass ich am Anfang des Jahres – nun, Februar oder März – mir nicht bewusst war dass ich dieses Album machen würde. Da ist es plötzlich. Ich mag es wenn das passiert – wenn Dinge unerwartet hervorspringen, beinahe aus dem Nichts.
Afterwards ist das letzte Stück des Albums. Darauf ist Jeremy Irons, der Thomas Hardys gleichnamiges Gedicht liest, mit Jon Lord am Piano.
Lesen Sie auch: Interview Teil 1 – To notice such music
Kommen Sie zurück zu JonLord.org um die nächsten Teile dieses Interviews zu lesen – über Jons ausgelasteten Zeitplan 2009 und zukünftige Pläne.