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Gänsehaut in Siegen

Oktober 27, 2009

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‚Der wahre Höhepunkt dieses ersten Teils des Abends war – wie immer – das Zweite Movement. Diese Momente von musikalischem Verständnis zwischen Band und Orchester, die stille und beinahe spielerische Überleitung zur ersten Gesangsstrophe, all das rührte mich zu Tränen, und ich schäme mich nicht das zu sagen. Und was für eine wundervolle Ergänzung die dritte Strophe ist! Dieses kurze Stück bringt nach meiner bescheidenen Meinung das Movement zur Perfektion.’

Monika Schwarz berichtet über Jon Lords Konzert in Siegen, Deutschland, am 23. Oktober. Sie fährt fort:

‚Nach 6 Stunden Sitzen im Auto fühlten wir ein gewisses Bedürfnis nach Bewegung, also entschieden wir uns, einen Spaziergang zur Halle zu machen. Wir hatten das Glück Bernd Martin, den Sänger von Demon’s Eye, und Andreas König, den Keyboardspieler der Band, zu treffen.

Lustig wie beide ziemlich überrascht schienen über meine Bitte nach einem Autogramm. Immerhin, ohne sie wäre da später eine gewisse Leere auf der Bühne gewesen, und wahrscheinlich wäre dem ‚Concerto’ auch etwas abgegangen ;-) .

Dann kam der Abend, wir betraten die Halle, fanden unsere Plätze (2. Reihe, direkt vor Jons Hammond) und genossen das Gefühl der Erwartung vor einer Show. Als die Lichter ausgingen, kam zuerst das Orchester, dann die Band und als Letzter von allen Jon Lord auf die Bühne, alle zu einem großen Applaus.

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Jon machte – wie meistens – die Ansagen, in seiner üblichen charmanten und humorvollen Art wie nur er es kann. Er erzählte uns ein paar Worte über sein ‚Baby’, das ‚Concerto for Group and Orchestra’, das wir während des ersten Teiles des Konzerts erleben sollten.

Und dann die ersten Töne… Es schien als ob das Orchester das Erste Movement etwas langsamer spielen würde als es bei den anderen Aufführungen die ich bisher gehört habe der Fall war, was ziemlich gut war, da es mehr Zeit zum Genießen gab.

Sein Spiel war generell sehr präzise und mit viel Sorgfalt – ich hatte den Eindruck als ob sie wirklich begeistert über diesen Abend waren. Dasselbe galt für den Dirigenten, der alles unter Kontrolle hatte – sogar die Band, zumindest so lange sie mit dem Orchester spielte.

Nach einer Pause von 30 Minuten ging das Konzert mit ‚Pictures Of Home’ weiter, wieder angekündigt als ein Song über einen Kater (irgendwann einmal muss ich die Geschichte dahinter erfahren…), gefolgt von ‚The Sun Will Shine Again’, gesungen von der lieblichen und sehr talentierten Kasia Laska. Dann war es wieder Zeit für ein lebhafteres Stück, die ‚Bourrée’ vom Album ‚Sarabande’.

Die Einführung zum nächsten Stück, ‚Pictured Within’ war ebenfalls sehr bewegend, da Jon Lord dem Publikum erzählte dass er beinahe sein ‚Mojo’ als Komponist verloren hätte, es aber wiedergefunden hätte mit der Schaffung des gleichnamigen Albums. Aber nicht viel Zeit für Sentimentalität, ‚The Telemann Experiment’ hob die Stimmung wieder, und ich bin absolut sicher dass Georg Philipp Telemann irgendwo im Himmel wiederum lächelte.

‚Wait A While’ ist für mich das Glanzstück für Kasia Laska, wo sie demonstriert wie bewegend dieser Song interpretiert werden kann.

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‚Gigue’, wieder von ‚Sarabande’ Album, beschloss die reguläre Setlist dieser Nacht. Stehende Ovationen – beinahe ein regelmäßiges Charakteristikum bei Jon Lords Konzerten, und außerdem überaus verdient – begleitete die Protagonisten auf ihrem Weg hinunter von der Bühne.

Es dauerte nicht lange und alle kamen zurück für die Zugaben, und zu meinem großen Vergnügen war die erste von ihnen ‚Soldier Of Fortune’, ein Song den ich, glaube ich, niemals zuvor live gehört habe.

Und dann das ‚Grande Finale’ – ‚Child In Time’! Wieder war es Zeit für Gänsehaut, und die Band klang so ähnlich zum Original, und Jon Lord hatte offensichtlich Spaß, ebenso wie das Orchester und das Publikum. Die zwei Sänger, Kasia Laska und Bernd Martin, teilten sich den Gesang.

Da ich die Band erwähne – sie war die wirkliche Überraschung für mich in dieser Nacht. Ich meine, natürlich hatte ich ein paar Mal von ihnen gehört, aber nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was ich erleben sollte. Der Sänger war exzellent, ebenso wie der Bassist.

Natürlich hörten wir nicht allzu viel vom Keyboard Spieler, aber der Schlagzeuger war wahrhaft herausragend und sogar noch mehr der Gitarrist. Demon’s Eye legen Wert darauf, dass ihr Sound so ähnlich zu Deep Purple in den Siebzigern ist wie möglich, was bedeutet dass sie sogar die gleiche Ausrüstung verwenden.

Aber Mark Zyk, der Gitarrist, verwendete nicht nur die Ausrüstung, er klang beinahe erschreckend wie Ritchie Blackmore, und er imitierte sogar seine Bühnenposen. Sein Solo während ‚Child In Time’ hätte direkt von einer Originalaufnahme kommen können.

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Was mich zurück zu Jon Lord bringt. Sein Spiel war brillant, bewegend, inspiriert (und inspirierend, ungeachtet dessen dass ich kein Instrument spiele). Er schafft es irgendwie, die Solos immer unterschiedlich zu spielen, er demonstriert seine Liebe zur Musik mit jeder Berührung der Tasten, ob jetzt der Hammond oder des Pianos. All das ist noch immer nur eine Facette des Ganzen.

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Meiner Meinung nach haben wir das große Glück, einen der brillantesten Komponisten unserer Zeit am Werk zu erleben, ein wahres Genie und einen wunderbaren Mann. Möge dieses Vergnügen lange dauern!

Monika Schwarz

Photos von Ralph Pondman.

Setlist:
Concerto For Group and Orchestra – Movement I
Concerto For Group and Orchestra – Movement II
Concerto For Group and Orchestra – Movement III

Pause
Pictures of Home
The Sun Will Shine Again
Bourée
Pictured Within
The Teleman Experiment
Wait A While
Gigue

Zugaben
Soldier Of Fortune
Child In Time

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