
Bericht: Eine französische Nacht
Mai 13, 2011Jon Lords Concerto for Group and Orchestra in La Filature, Mulhouse, Frankreich (mit Videoclips)
Bericht von Monika Schwarz
Die ‘Grande Salle’ in La Filature mit einer Kapazität von 1.200 Sitzen war ausverkauft, und so begann die Show vor einem vollen Haus. Wie immer war es zuerst das Orchester – dieses Mal war es L’Orchestre Symphonique de Mulhouse – das die Bühne betrat, gefolgt von ‘der Band’. Am Schlagzeug Steve White, am Bass Patrice Guers, und Patrick Rondat an der Gitarre. Beide (Orchester und Band) wurden mit freundlichem Applaus begrüßt, der sich beträchtlich in Lautstärke und Begeisterung steigerte sobald Jon Lord sich zu den Protagonisten auf der Bühne gesellte.
Nach einigen einführenden Worten von Jon Lord füllten die ruhigen, beinahe zögerlichen ersten Noten vom Concerto die Halle und nahmen das Publikum sofort gefangen. Für mich ist es immer faszinierend, wie viele unterschiedliche Interpretationen und subtile Variationen dieses Meisterwerk zulässt. Mit jedem Orchester, jedem Dirigenten, bekommt man ein frisches, nie zuvor gehörtes Stück Musik.
Diese Nacht waren zwei besondere Höhepunkte im Concerto; der Erste war Steve Balsamos Gesang im zweiten Movement. Er war so sehr ‘auf den Punkt; und dennoch so sehr improvisiert und ‘vom Herzen’, dass alles was ich sagen kann ist ‘bravo, hervorragend gemacht’! Der Zweite war Steve Whites Schlagzeugsolo während des dritten Movements. Ich bin kein Musiker, aber für mich gibt es zwei Arten ein Schlagzeug zu spielen. Man kann einfach nur draufhauen, und man kann Musik darauf spielen. Steve White ist definitiv ein Schlagzeuger von der letzteren Sorte, und sein Solo brachte sogar Jon dazu, zu ihm zu gehen und in Anerkennung zu applaudieren.
Eine kurze Pause, und die zweite Hälfte des Abends begann mit Pictures of Home, gefolgt von der Bourrée von Sarabande, dessen Intro speziell entzückend war mit einer winzigen Glocke die den Rhythmus vorgab, einigen Percussions die einsetzten, sich in der Lautstärke steigerten, dann wieder leiser wurden, und so eine Spannung schafften bis das Piano und der Rest des Orchesters mit der Hauptmelodie begannen.
Nach diesem lebhaften Stück verzauberte Kasia Łaska uns mit The Sun Will Shine Again. Steve Balsamo machte das gleiche mit Pictured Within, und seine Interpretation war sehr subtil und dennoch kraftvoll.
Sehen Sie: Pictured Within in Mulhouse 2011
Das Telemann Experiment beschleunigte die Dinge wieder etwas, bevor die Romantik mit Wait a While zurück kam. Ich muss sagen dass Kasia Łaska immer eine großartige Show bietet, aber diese Nacht war sie speziell beeindruckend. Sie legte eine unglaubliche Mange an Subtilität und Gefühl in ihren Gesang und brachte das Publikum dazu, jede Emotion mit ihr zu fühlen.
Und dann kam die wirkliche Überraschung: beide Sänger auf der Bühne, und Jon, der das sehr vertraute (und dennoch immer wieder neue und aufregende) Intro für Perfect Strangers spielte. Dieser Purple-Klassiker – ein Duett? Ein Duett war es, und es funktionierte nicht nur, es funktionierte wunderbar! In diesem neuen und beeindruckenden Arrangement wurde der Song zu einer vollkommen unterschiedlichen ‘Bestie’.
Sehen Sie: Perfect Strangers in Mulhouse 2011
Offensichtlich teilten die 1.999 anderen Leute vor der Bühne meine Meinung, sie belohnten dieses Wagnis (was es gewissermaßen war), mit donnerndem Applaus, der Jon, die Band, die Sänger und Gwennolé Rufet, den Dirigenten der gleichfalls einen großartigen Job diese Nacht machte, auf ihrem Weg von der Bühne begleitete. Ein großartiges Finale einer brillanten Nacht – oder?
Es brauchte nicht sehr lange, und sie alle kamen zurück. Jon erzählte eine lustige Geschichte über Buddy Holly, den er gesehen hatte als er noch sehr jung war. Anscheinend kam Buddy auch zurück um eine Zugabe zu geben, und er sagte dem Publikum dass sie nicht einmal so sehr hätten applaudieren müssen, er wäre ohnehin zurückgekommen. So, sagte Jon, wäre er ebenso wieder zurück gekommen.
Dann stellte er ‘einen Song geschrieben von David Coverdale und Ritchie Blackmore’ vor – Soldier of Fortune. Wieder gesungen von sowohl Kasia Łaska als Steve Balsamo, und wieder ein definitives Highlight des Abends. Aber falls Sie gedacht haben dass es nicht mehr besser kommen konnte, wurden Sie sofort eines Besseren belehrt. Das unverwechselbare Intro von Child In Time brachte das Publikum dazu, nach Luft zu ringen, und gab noch einmal den beiden Sängern – und der Band – Raum, um zu glänzen. Und dieses Mal, nach einigen Verbeugungen, verließen alle wirklich die Bühne.
Es gibt etwas, das ich über die Halle zu sagen habe. Ob es die natürliche Akustik der Halle war, oder die exzellente Arbeit des Tontechnikers, der Klang war kristallklar, und jedes einzelne Instrument individuell hörbar. Das ist nicht immer der Fall, also denke ich dass es spezielle Erwähnung verdient. Ebenso wie das Publikum, übrigens. Wenn ein Stück mit einer leisen Note endete, gaben sie ihm Zeit um auszuklingen, und erst nach dem Bruchteil einer Sekunde setzte der Beifall ein (und lauter und länger). Dies war kein Beweis für einen Mangel an Begeisterung, überhaupt nicht, sondern für einen Respekt für die Stimmung und Qualität der Musik.
Sie mögen bemerkt haben dass ich bisher noch nichts über Jon Lords Darbietung gesagt habe.
Nun, was kann ich sagen außer ‘purem Genie’? Er geht auf die Siebziger zu, aber Jons Energie scheint grenzenlos wenn er der Band Einsätze gibt, seine Hammond spielt/rockt, während Solos auf der Bühne herumgeht, etc. Dann wechselt er zum Piano, und es ist die gleiche Energie, nur mehr fokussiert, und etwas mehr ‘unter der Oberfläche’.
Aber das wahrhaft Erstaunliche ist, dass er sich einfach nie wiederholt. Wann immer man zu einem Jon Lord Konzert geht, man hört immer neue, unterschiedliche Musik. Er gab uns ‘Musik von seinem Herzen’, und das ist es was wir alle fühlten und schätzten, und so war es nicht unerwartet (und auch sehr wohlverdient) dass die Nacht mit donnerndem stehenden Applaus endete.


