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Bericht: “Brenn Salem, brenn!”

Juni 28, 2011

Jon Lord im Schloss Salem, Salem beim Bodensee, Deutschland – 19. Juni 2011.

“Es war großartig, Jon während des ersten Teils des Concertos zu beobachten – er saß ruhig hinter seiner Hammond, hörte dem Orchester sehr genau zu und nickte hin und wieder in Anerkennung. Aber als die Zeit für die Band kam, explodierte er beinahe in einem musikalischen Ausbruch. Er gab den jungen Musikern der ‘Band’  ihre Einsätze, spielte während seines Solos wie ein Besessener und war ganz klar das Zentrum von allem ‘dort oben’.”

Monika Schwarz erwischte Jon Lord letzte Woche in Salem. Dies ist ihr Bericht.

“Etwa drei Tage vor dem Konzert erfuhr ich dass Jon Lord ein (Gratis-!!) Konzert im wunderschönen Schloss Salem, lediglich 60 Km von meiner Heimat entfernt, geben würde. Dies ist ohne Zweifel eine der besten Arten einen Sonntag zu verbringen, also fuhr ich los und kam dort am frühen Nachmittag an, da ich hoffte, vielleicht etwas con den Proben zu erwischen.

Sobald ich das Auto geparkt hatte, schwebten die Melodien des ‘Concerto for Group and Orchestra’ in der Luft vorbei, und indem ich dem Klang folgte, fand ich die ziemlich beeindruckende Bühne im Schlosspark Salem. Zu der Zeit probte das Orchester, dem sich die Band bald beigesellte.

Soundcheck mit Jon Lord
Also suchte ich mir einen Sitzplatz und verfolgte das Geschehen, nur gelegentlich vertrieben von einem Regenschauer. Um 18:00 kam Jon Lord auf der Bühne an – nun, tatsächlich ‘kam er nicht an’, er war einfach da, in seiner üblichen unprätentiösen Art. Sie gingen die vier Stücke durch, die Jon am Abend spielen sollte, und da es Soundcheck und Proben waren, war es das auch. Die Dinge gingen glatt genug, sodass wir auf eine tolle Show hoffen konnten, aber nicht allzu glatt – für die Abergläubischen unter den Musikern.

20:00, und große, dunkle Wolken hingen über uns. Marie & The RedCat, eine Band bestehend aus Studenten der Pop Akademie, gingen auf die Bühne. sie bezauberten das Publikum mit ein paar coolen, selbstkomponierten Songs, und mit Lisa Marie Neumann haben sie wirklich eine sehr talentierte und charismatische Sängerin.

Nach ihnen war The Astronaut’s Eye dran, eine fünfköpfige Band, und auch Studenten der Pop Akademie, die eine energiegeladene Mischung aus – nun, ”speedy Funk Rock’ ist wahrscheinlich die zutreffendste Beschreibung. Dann kam das GemranPops Orchester auf die Bühne und setzte zu ‘Fanfare for the Common Man’ an.

Die Moderationen wurden durchgeführt von zwei jungen Rappern, Danny Fresh und Young roDDie, unterstützt von Udo Dahmen, dem künstlerischen Leiter der Pop Akademie, sowie Bernd Ruf, dem Gründer und Dirigenten des GermanPops Orchester.

‘Riders on the Storm’, vorgetragen von Julius Reich, war der nächste Song, gefolgt von ‘Gnomus’, einer Komposition für Orchester und Band. ‘BangBang’, wieder von Marie & the RedCat, ‘Success has made a Failure of Love’, gesungen von Denise Beiler und dann ‘Papa was a rollin’ Stone’, dargeboten von allen Künstlern.

Jon Lord auf der Bühne
Und dann der große Moment: Jon Lord gesellte sich zu den Künstlern auf der Bühne! Es dauerte nicht lange und das liebliche Intro vom ersten Movement des ‘Concerto for Group and Orchestra’ erfüllte die – noch immer trockene – Luft. Es war großartig, Jon während des ersten Teils zu beobachten – er saß ruhig hinter seiner Hammond, er hörte dem Orchester sehr genau zu, und hin und wieder nickte er in Anerkennung.

Aber als die Zeit für die Band kam, explodierte er beinahe in einem musikalischen Ausbruch. Er gab den jungen Musikern der ‘Band’ ihre Einsätze, spielte während seines Solos wie ein Besessener, und war ganz klar das Zentrum von allem ‘dort oben’. Aber nicht der einzige der glänzte, ein extrem talentierter Gitarrist lieferte ein feuriges Solo ab und erhielt einen sehr verdienten spontanen Applaus.

In einer sehr charmanten Geste erhob sich Jon danach, um Lisa Marie Neumann an der Hand zu holen, da sie diejenige war, die ‘Wait a While’ singen sollte. Laut Jons Ansage zum ersten Mal in ihrem Leben vor Publikum. Etwas das man sicherlich nicht bemerkt hätte, da sie die Herausforderung brillant bewältigte.

‘Don’t Let Go’ war das Nächste, und dann nahm Jon hinter dem Flügel für ‘The Telemann Experiment’ Platz. Ich muss sagen dass dies eines meiner Lieblingsstücke ist, mit den faszinierenden rhythmischen Mustern und der kontinuierlichen Steigerung in der Dynamik, und jedermann auf der Bühne wurde ihm gerecht.

Brennen mit Lord
Wieder eine kurze Rap-Überleitung, und mit einem orchestralen ‘Big Bang’ stürzten sie sich in ein ‘Deep Purple Medley’ mit ‘Smoke on the Water’, ‘Hush’, ‘Child in Time’, ‘Burn’, ‘Black Night’, und in einem vollen Kreis zurück wieder zu ‘Smoke’. Dieses Mal war es Tim Opitz, der beim Gesang alles gab.

Mittlerweile waren alle im Publikum auf den Füßen, respektive am Tanzen, Jubeln und sich die Hände wund klatschen. Sollte das das Ende einer so grandiosen Nacht sein? Eine Nacht, in der sogar die Regengötter lächelten, anstatt auf uns herunter zu weinen? Nein, natürlich nicht, und so bekamen wir ‘Blinded by the Light’ – mit Jon Lord an der Hammond – als Zugabe.

In dieser Nacht war so viel Talent auf der Bühne, jedermann brannte vor Begeisterung, und Jon war definitiv der zentrale Funke, tatsächlich glühte er mit (ich denke) der puren Freude, mit all diesen jungen Leuten zu arbeiten.

Der zugängliche Lord
Lassen Sie mich diesen Bericht beschließen mit einer ziemlich charmanten Episode. Eind deutsche Dame namens Gisela saß neben mir den ganzen Nachmittag und den Abend hindurch. Irgendwann während der Proben sagte sie zu mir dass Jon ziemlich unnahbar aussehe dort oben. Kein Wunder, er trug eine Sonnenbrille (ja, hin und wieder gab es sogar etwas Sonnenschein), und war sehr konzentriert auf den ‘vorliegenden Job’ (die Probe).

Aber während einer Unterbrechung verließ Jon die Bühne und kam herunter in den Zuschauerbereich. Gisela, die ihren eigenen Worten zufolge ein Riesen Rockfan generell und Deep Purple/Jon Lord im Speziellen war, nahm ihr Herz in beide Hände, ging zu Jon und bat um ein Foto mit ihm. Ein Wunsch dem er überaus reizend nachkam. Er nahm sich sogar die Zeit um ein paar Sätze mit ihr zu plaudern.

Als sie zurückkam, ging sie irgendwie 10 cm über dem Boden. Was ‘unnahbar’ betrifft, hat Jon ihr das Gegenteil bewiesen, und zur gleichen Zeit machte er einen weiteren seiner Fans sehr, sehr glücklich.

Ich denke ich spreche nicht nur für Gisela und mich selber, sondern für das ganze Publikum wenn ich sage ‘Danke Jon, für eine großartige Nacht!”

Monika Schwarz

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