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Lord & Wakeman Weltpremiere beim Sunflower Jam

Juli 9, 2011

Der Sunflower Jam 2011 wird in die Erinnerung eingehen als einer von Jon Lords lohnendsten Auftritten in 2011 – musikalisch kühn und aufgeführt mit scharfer Vorzüglichkeit.

An einem Abend der ohnehin schon voller musikalischem Talent war, teilte Jon Lord die Bühne mit Rick Wakeman für die brandneue Komposition des Paares, It’s Not As Big As It Was (angeblich über das Musikbusiness, obwohl ihm Scherze über das Alter und Prostata-Probleme vorangingen). Dies war ohne Zweifel das musikalische Kronjuwel des Sunflower Jam und begünstigte den guten Zweck, Kindern zu helfen die an Krebs leiden. Spenden sind noch immer willkommen.

Dies ist Rasmus Heides Bericht:

Jon Lord erscheint auf der Bühne nach beinahe einer Stunde hervorragender Musik von Größen wie Danny Bowes (Thunder), Gary Brooker, Joe Bonamassa und Newton Faulkner. diese Gentlemen (und Damen) haben das Publikum mit Blues- und Rockklassikern unterhalten die sich sehr gut machten, insbesondere Gary Brookers Interpretation von A Whiter Shade of Pale und Joe Bonamassas Thrill is Gone. Wie auch immer, Jon wird damit fortsetzen die Show an sich zu reißen und den Level der Erregung einige Stufen in die Höhe zu treiben.

“Einer der größten Keybordspieler im Rock’n'Roll, Mr. Jon Lord!” Joe Bonamassa führt den Maestro ein und fängt mit einem sich langsam entwickelnden Ballad of John Henry an. Bonamassas charakteristischer Bluesrock-Klang ist die perfekte Wahl für die beiden Meister, ihre Kräfte zu bündeln. Er baut das Riff zu einem Brüllen auf, bevor er in die Strophe eintaucht – und dann schwingt er sich empor zum bedrohlichen Refrain; Jons wirbelnder Hammond-Hintergrund hat Ansätze der ruhig- zuversichtlichen Arbeit die er für die Band Ride vor vielen Jahren gemacht hat.

Jon steht am Rand der Bühne – er hat den Orgelstuhl zur Seite geschoben – und er ist in großartiger Verfassung und Form; konzentriert und gut vorbereitet darauf, was sich als absolutes musikalisches Fest herausstellen soll, das beinahe jeden Aspekt seiner musikalischen Fähigkeiten feiert – und in der imposanten alten Royal Albert Hall, wo sein erstes Werk 1969 zu Berühmtheit gelangte – und noch einmal 1999.

Bonamassas John Henry wird zu einem Schimmer heruntergenommen und Bonamassa geht zum Theremin um es gespenstisch für das faszinierte Publikum kreischen zu lassen – bis Jon sanft übernimmt. Sein Solo ist stürmisch und intensiv, entwickelt sich zu einem gigantischen Hammond Crescendo voll von seinen typischen Heulen und Läufen. Bonamassa geht näher hin und neckt Jon in eine Gitarren-Orgel-Jagd in einer Art wie wir sie seit fast 20 Jahren nicht gehört haben… majestätisch und das Rückgrat zum Erbeben bringend.

Jon dankt Bonamassa und stellt das nächste Stück als Bourrée von seinem Sarabande Album vor. Der Kontrast ist spürbar. Mit dem musikalischen Leiter des Abends, Paul Wickens, am Synthesizer, bedient Jon das Piano und dann die Hammond für das Solo. Anna Phoebe fügt dem Stück eine besonders klasse Violine hinzu und erhöht noch einmal die Bandbreite der musikalischen Geschmäcker an einem ohnehin schon an die Grenzen gehenden Abend.

“Ich habe  eine große Bitte an Sie. Nicht einen großen Hintern – obwohl er einmal größer war – aber eine große Bitte. In jede Show muss ein ruhiger Song fallen,” erklärt Jon Lord bevor er “den ziemlich wundervollen” Steve Balsamo präsentiert, der Jons populärstes Solostück singen wird. Balsamo bringt ein besonders zartes und zuversichtliches Pictured Within – in seinem Element blickt er hinaus in die Menge und inspiriert Stille in der man eine Nadel fallen hören könnte. Im Arrangement fehlen die mitreißenden Streicher vom Standard-Orchester-Arrangement, stattdessen beweist Anna Phoebe makellose Feinfühligkeit auf ihrer Fiedel. Das Stück ist ein großartiger Kontrast zum vorhergehenden Lärm, und wieder beweist Jon Lords Musikalität ihre außergewöhnliche Weite.

Lord-Wakemans Weltpremiere
Herzliche Umarmungen werden ausgetauscht als Jon Rick Wakeman vorstellt als “ein neuer alter Freund. Ich habe ihn gekannt seit Gottes Hund ein Welpe war, kam aber nie dazu, ihn kennenzulernen. Der ziemlich einmalige Rick Wakeman.”

Rick zerstreut jegliche Protzigkeit indem er einen Witz über sein eigenes sexuelles Debüt hinter der Royal Albert Hall reißt (“Es war nicht sehr gut. Das ist es niemals, wenn man alleine ist!”). Sein erstes Stück ist Eleanor Rigby von den Beatles, gespielt von ihm selber im Stil von Prokofieff auf einem bombastischen Stakkato-Synthesizer, geschichtet mit Effekten.

Dann lädt er Jon Lord zurück auf die Bühne. “Letzten Mittwoch trafen Jon und ich uns drunten im Altersheim…,” scherzt Wakeman als Einführung zur musikalischen Weltpremiere des Abends. Unfähig zu entscheiden welches ihrer eigenen Stücke sie zusammen spielen sollten, entschieden sie stattdessen, zusammen ein neues Stück zu schreiben. Die beiden teilen das Mikrofon für diese Vorstellung, sowie etwas gerissene Schlagfertigkeit. Alles ziemlich spaßig.

Dann der musikalische Spaß. Ein stampfendes, glühendes, bombastisches Band-Workout, beladen mit himmelhohen Keyboards einschließlich Solos für Hammondorgel (Jon) und Mini Moog (Rick). It’s Not As Big As It Was ist alles an Prog was irgendjemand sich wünschen könnte – und ein winziges Bisschen mehr. Wakemans Keyboard-Bank auf der rechten Seite der Bühne, Jons Hammond nahe dem linken Rand, die Kameras zoomen hinein um die Fingerarbeit auf dem großen Bildschirm über der Bühne zu zeigen.

Murray Gold spielt ein kurzes Gitarrensolo, aber abgesehen davon legen Micky Moody (Rhythmusgitarre), Jerry Brown (Schlagzeug) und Nick Fyffe (Bass) ein solides Fundament für die beiden Protagonisten, damit sie sich gegenseitig überbieten können. Und übertreffen tun sie sich, für um die 7 Minuten oder so. Jon gibt der Band Handzeichen für die unterschiedlichen Abschnitte, anscheinend ohne Bedarf dafür da jedermann das Stück mühelos schafft.

Danach sagt Wakeman wie hervorragend es ist, mit Jon zu arbeiten, und verspricht dass noch mehr kommt. Als Nächstes kommt eine Interpretation von David Bowies Life on Mars mit Newton Faulkner am Gesang, Jon Lord an der Hammond und Wakeman am Piano – und der Hausband. Dieser epische Song rundet die ersten 2 Stunden von Musik des Abends ab.

Nach einem kurzen Umsatz – mit Bill Bailey der jedermann mit seiner 6-hälsigen Gitarre und einem unglaublichen musikalischen Orgelsketch unterhält, kommen Deep Purple auf die Bühne. Außer Purples Ausrüstung wurde alles andere von der Bühne entfernt, mit Ausnahme der Hammondorgel, die Jon zuvor gespielt hatte. Sie wird unbenützt bleiben.

Purple rasen durch ein Set von effektiv 40 Minuten, das zwei makellose Gastauftritte von Joe Bonamassa in Maybe I’m a Leo und Smoke On the Water einschloss. Die Band zeigt was sie kann auf ihre übliche Art, mit Ian Gillan in speziell toller Form bei When a Blind Man Cries. Und plötzlich ist alles vorbei.

Bill Baileys verrücktes Kuhglocken-Intro bei Smoke on the Water bietet den besten musikalischen Witz des Abends (mit Ian Gillan, der hinter ihm ausflippt), aber es ist Jon Lords behutsam gearbeitete Glanzleistung durch Stile und Zeiten, die als die musikalisch lohnendste Erfahrung dient und einen sehr gebenden Abend perfekt krönt.

Die Musik und die Spieler:
Abteilung Hausband:
Newton Faulkner, Margo Buchanan, Danny Bowes, Gary Brooker, Joe Bonamassa + The Sunflower Jam house band (Paul Wickens – Keyboards; Micky Moody – Gitarre; Murray Gould – Gitarre; Nick Fyffe – Bass; Jerry Brown – Schlagzeug).

Jon Lord & Rick Wakeman:
Who Killed John Henry – Joe Bonamassa, Jon Lord, Hausband
Bourree – Jon Lord, Anna Phoebe, Hausband
Pictured Within – Jon Lord, Steve Balsamo, Anna Phoebe
Eleanor Rigby – Rick Wakeman
It’s Not As Big As It Was – Jon Lord, Rick Wakeman, Hausband
Life on Mars – Jon Lord, Rick Wakeman, Newton Faulkner, Anna Phoebe, Hausband

Deep Purple:
Highway Star
Maybe I’m a Leo (Joe Bonamassa)
Strange Kind of Woman
Contact Lost
When a Blind Man Cries
Well Dressed Guitar
Black Night
Smoke On the Water (Joe Bonamassa, Bill Bailey, Jack Moore)

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