
Bericht: Aus der Dunkelheit, ein Licht der Hoffnung
November 22, 2011Jon Lords From Darkness to Light, in der Nürnberger Meistersingerhalle, Deutschland, am 13. Nov. 2011.
Bericht von Rasmus Heide
Jon Lords From Darkness to Light, ein großartiges, kontemplatives Gebetsstück für Chor, Piano und Streicher, umhüllt das reife Publikum von Konzertgängern in Nürnbergs Meistersingerhalle Sonntag Nacht.
2011 war ein phantastisches Jahr für Jon Lord; mehrere Blues Project Shows; ein Stapel an Concerto-Konzerten in Europa und Russland; ein siegreicher Sunflower Jam in der Londoner Royal Albert Hall (komplett mit einem leidenschaftlichen Bluesrock-Jam mit Joe Bonamassa, einer beschwingten Bourrée, der zutiefst persönlichen Schönheit von Pictured Within und noch viel mehr); und erst kürzlich eine kostbar feinfühlige Präsentation von To Notice Such Things in einer kleinen ländlichen Kirche in Sussex…
Diese gewaltige Zurschaustellung von musikalischer Brillanz wird heute Nacht in Nürnberg sogar noch erweitert, da er ein Chorstück zu seinem Lebenslauf hinzufügt. Diese unveröffentlichte Musik ist – wieder – ein neuer Geschmack von ihm, und einer den er mit unterspielter Exzellenz meistert.
100 Sänger
An einem Abend der der Verbesserung der Welt gewidmet ist, und der die Zuhörer mit dem Verlangen nach Innehalten und dem Bedenken von verlorenen Gelegenheiten aus der Vergangenheit erfüllt, ist Karl Jenkins’ The Armed Man, A Mass For Peace – komplett mit begleitendem Archivmaterial vom Krieg – eine überwältigende und erbarmungslose Illustration der enormen Anstrengung die die Menschen darin investieren, sich gegenseitig umzubringen.
In starkem Kontrast dazu eröffnet Jon Lords Stück den Abend als Tribut an – und Wunsch nach – Optimismus.
Aufgeführt in musikalischer Perfektion vom Lehrersingverein-Chor und dem Nürnberg Symphonie Orchester unter der erfahrenen Leitung von Bernd Dietrich, ist Solotenor Thomas Fahner am Rand der Bühne kompetent und sich dessen bewusst dass er seine Rolle als Erste Stimme vor einem Chor von annähernd 100 Personen ausfüllt.
Die gespannte Stille im Publikum spricht Bände von den glorreichen Qualitäten in Jons Musik – ihr innerer Frieden und die tiefe Nachdenklichkeit die sie inspiriert – und am Ende sendet die Energie, die in einem andauernden Applaus freigesetzt wird, warme Wellen von Respekt und guten Wünschen in Jons Richtung. (Fortsetzung unter dem Photo)
Spirituelle Präsenz
Aber Jon ist nicht persönlich hier. Auf all die musikalische Brillanz hinauf hat ihm 2011 auch einen Drachen zugeteilt, der erschlagen werden muss – Krebs – und dieses Chorstück zu erleben – das in seiner Essenz ein langes Gebet ist – mit diesem persönlichen Kampf im Hinterkopf, unterstreicht Jons das Leben noch einmal bestätigende Fähigkeit, Emotionen zu erwecken und eine Landschaft in den Gedanken der Zuhörer darzustellen.
From Darkness To Light eröffnet mit einem Prickeln, wächst und schwillt mit dem Chor an, und ruft Nachdenklichkeit und eine starke Gemütsruhe hervor. Wenn die Musik anschwillt und nachlässt, bewegt sich der Chor von einem sanften Liebkosen im Hintergrund bis zu einem sich selbst majestätisch in einem Rausch von Gusto in den Vordergrund Werfen.
Jons spirituelle Präsenz ist lebhaft. Wenn man seine Augen schließt kann man ihn sich innerhalb der Musik vorstellen, am großen Piano in der Bühnenmitte sitzend, seine rechte Schulter während intensiver Momente leicht hochgezogen, immer ein wachsames Auge auf den Dirigenten und ein Ohr auf die Musik haltend.
From Darkness To Light leuchtet mit Hoffnung, und – wie Jon im Programm sagt ‘wäre es großartig wenn die Musik Leute bewegen könnte.’ Sie hat es gewiss getan. Danke Jon, und wir werden dich bald sehen.


