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Rezension: Concerto for Group and Orchestra (2012)

September 7, 2012

Exklusive Rezension von Vincent Budd für JonLord.org. Vincent hat zuvor ‚The Gemini Man: Eine Einführung in das Orchesterwerk von Jon Lord‘ geschrieben, das 2003 veröffentlicht wurde.

Diese Studio-Interpretation des Concerto for Group and Orchestra ist Jons finale Darstellung seiner geschätzten Komposition. Es ist eine glitzernde neue Version seines gloriosen Opus, und für diejenigen von uns, die das Werk in unsere Herzen geschlossen haben, haben wir hier eine weitere superlative Version die wir schätzen können. Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung, die sogar noch rührender gemacht wird durch das Hinscheiden des Komponisten.

Das Concerto mit Deep Purple auf Tour um die ganze Welt zu nehmen und verschiedene andere Versionen über die Jahre zu hören, versetzte Jon offensichtlich in die Lage, die Orchesterparts noch weiter zu verfeinern. Es gibt einige wunderschöne Ergänzungen und Modifikationen in der Partitur, aber, seid versichert, sie beeinträchtigen die originale Integrität des Werks nicht. Obwohl es einen gewissen unvermeidlichen Verlust an der unmittelbaren, einen auf der Sesselkante haltenden Spannung wie bei einer Liveaufführung gibt, beschwören Dirigent Paul Mann und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra eine herausragende, vibrierende, leuchtende orchestrale Vorführung herauf: sie ist eine wundervoll ausdrucksstarke und leidenschaftliche Darbietung. Die Gruppe/Orchester-Dynamik ist von ganzem Herzen und fein bemessen. Die Tutti Abschnitte sind klar und, wichtig, die feineren Punkte der Partitur sind voll klingend. die Aufnahme ist voll, genau und wundervoll dynamisch – der Klang der Band und des Orchesters zusammen ist manchmal schlicht atemberaubend.

Die offensichtlichst divergenten Elemente der Studioversion sind die Darbietungen der neuen Instrumentalisten und Sänger. Diese werden Einige wunderbar erfreuen und Andere enttäuschen. Sicherlich gibt es gewisse Aspekte der Band-Beiträge, bei denen es Zeit brauchen kann um sie voll zu würdigen, und entscheidende Momente die nicht unbedingt einen wohlwollenden Vergleich mit den vorhergehenden Interpretationen mit Deep Purple ertragen. Wie auch immer, mit gebührender Bekanntschaft werden Sie, ich bin sicher, bald an die Unterschiede gewöhnt sein und die jüngsten Mitglieder der ‚Gruppe‘ und ihre kontrastierende Herangehensweise an das Werk glücklich ins Herz schließen. Überaus angenehm bietet Jons Hammond einige aufschlussreiche Verstärkungen für die allgemeine Instrumentation.

Die strahlende Klarinettenmelodie die so vertraut geworden ist, bringt, wie immer, sofort ein Lächeln aufs Gesicht, und mit dem inspirierten Horn-Statement gegen die Streicher beginnt das Herz schneller zu schlagen. Das Pizzicato ist eine Freude. Alles ist gut! Die Eröffnungs-Exposition des Orchesters scheint majestätisch mit märchenhaften neuen Nuancen. Als diese entzückende, zwitschernde Klarinettenmelodie ankommt und die Streicher wunderbar antworten, werden Sie, kein Zweifel, den Einsatz der Band mit einiger Vorfreude erwarten. Natürlich ist Ian Paice ein nahezu unmöglich zu folgender Akt, aber Brett Morgan spielt außerordentlich gut.

Darin Vasilev macht die entscheidende erste Gitarrenpassage sehr zu seiner Eigenen. Sie hat ein sehr überdrehtes, spontanes Gefühl und ist dennoch vollkommen konstruiert und ist trotzdem – ungleich Ritchies langer, und dennoch erheiternder Selbstgefälligkeit von 1969 – mehr proportional mit Jons offensichtlichen orchestralen Prioritäten: Tatsächlich ist es jetzt wahrscheinlich um einen Tick zu kurz. Die Rückkehr des Orchesters ist ein erstaunlicher Moment. Jons Solo ist ebenfalls etwas kürzer als früher, aber er bietet noch immer seinen fesselnden Übergang mit dem Orchester. Die Gitarrenkadenz ist eine unerwartete, Griffbrett-schmelzende Extravaganza, die ich, nach ursprünglichen Bedenken, jetzt als ein großes Plus hier betrachte. Die Klarinettenkadenz, die dem großen falschen Ende folgt, wurde jetzt zu einer echten Tour de Force. Das triumphale Finale ist glorios und die Band und das Orchester kämpfen um das letzte Wort. Einfach Ehrfurcht gebietend.

Das langsame Movement war immer eine bemerkenswerte Leistung. Jons kompositorisches Können und die Art wie er Band und Orchester bewegend integriert produzierte ein blendendes Entzücken vom Anfang bis zum Ende. Diese Studioversion bietet die erhebendste orchestrale Version des Andante die jemals gehört wurde. Paul Mann nimmt es etwas gemütlicher als früher und bringt wirklich die Grazie und Herrlichkeit des orchestralen Schreibens heraus. Steve Balsamos mehr verfeinerte, delikatere und weniger Rock ’n‘ Roll Stimme bietet einen überaus gefälligen Abschied von den früheren Versionen, und das Hinzufügen von Kasia Laskas weiblicher Harmonie fügt diesem Abschnitt eine brillante neue Dimension hinzu, als sich die beiden wundervoll kombinieren.

Der wichtige Moment ist, als Jon eines seiner Themen in eine opulente Tschaikovski’sche Geste transfiguriert ist großartig gespielt – romantische Grandezza ohne den leisesten Hauch von filmischem Bombast. Bruce Dickinson bringt seinen Part angemessen zustande und balanciert pflichtgemäß zwischen Aggressivität und Finesse: Tatsächlich bietet er einen glühenden Kontrast zum vorhergehenden Gesang von Steve Balsamo und Kasia Laska, und dies stellt einen großen Bonus dieser Aufnahme dar. Der Gitarrenbeitrag des einen und einzigen Joe Bonamassa ist atemberaubend, und Jons Kadenza ist großartig ausdrucksstark. Die pastorale Streichquartett-Koda ist einigermaßen erstaunlich. Das langsame Movement ist vielleicht der bedeutendste und befriedigendste Abschied von den früheren Interpretationen.

Das dritte Movement ist eine der größten musikalischen Spannungen unserer Zeit. Ich werde nie aufhören, über diese blendende Integration der zwei musikalischen Gewalten zu staunen. Was diese neue Aufnahme angeht, wird dies wahrscheinlich das Vertrauteste sein für diejenigen, die dem Fortschritt des Werks gefolgt sind, obwohl es hier einige wundervolle neue Touche gibt. Das Spiel des Orchester hier ist grandios: Das Schlagzeug und die Blechbläser sind fantastisch mit vielsagenden Vorzeichen von Bravour. Steve Morse bietet einen weiteren unvergesslichen Beitrag und die Orgel mit den begleitenden Streichern macht es wirklich zu einem speziellen Moment. Traurigerweise ist die Schlagzeugkadenz nur wenig mehr als ein kurzes Solo und jetzt bei weitem zu flüchtig. Das Finale, wo wir die Themen in einer Fantasmagorie von einzigartigem musikalischen Staunen kombiniert hören bleibt nichts weniger als eine Glorie der Musik des 20. Jahrhunderts – einiges von der Rock/Orchester-Interaktion ist hier wahrscheinlich das Pulsierendste was man je auf CD gehört hat – aber, oh, das Movement geht jetzt nur allzu schnell vorbei. Wenn es zu Ende ist, ist es sehr seltsam, nicht ein Gebrüll  der Begeisterung zu hören. Das Schweigen ist, wie man sagt, ohrenbetäubend.

Die Originalaufnahme des Concerto for Group and Orchestra von 1969 mit Malcolm Arnold und dem Royal Philharmonic Orchestra  ist ein historischer, geschätzter und geliebter musikalischer Moment. Es bleibt eine bemerkenswerte Errungenschaft und bringt noch immer den Puls zum Rasen. Die Konzertversion von 1999 zum 30. Jubiläum mit dem London Symphony Orchestra war ein absoluter Triumph für alle Beteiligten. Paul Manns offensichtliche Liebe zum Werk schien wie der mächtige Strahl eines Leuchtturms und Marco de Goeijs Rekonstruktion einer Partitur von der LP und dem Video ist eines jener bemerkenswerten individuellen Unterfangen für die wir wahrhaft dankbar sein müssen. Die Essays die von Paul und Marco für die bevorstehende CD geschrieben wurden sind ohne Zweifel faszinierend und erhellend zu lesen.

Einige Kritiker haben das Concerto for Group and Orchestra als einen Fehlschlag eingeschätzt. Nun, wenn Jon gescheitert ist, dann kann ich nur sagen: Er scheiterte ziemlich glorios! Möge Gott Jon dafür segnen dass er sein musikalisches Talent und sein großzügiges Herz dafür nutzte, verschiedene Musiker zu vereinen und kontrastierende musikalische Formen in ein erfreuliches und glorreiches Ganzes zu integrieren. Das Concerto bleibt ein einmaliger, großer und tatsächlich heroischer Beitrag zur Musik des 20. Jahrhunderts. Dies war tatsächlich ‚das Beste aus beiden Welten‘. Es ist vielleicht passend dass Jons erstes orchestrales Werk auch sein Letztes sein sollte. Alle die am Studio-Concerto mitgewirkt haben, haben dem Komponisten ein fabelhaftes und passendes Denkmal geschenkt.

Diese Rezension ist ein überarbeiteter Ausschnitt aus einem längeren Stück über die Geschichte des Concertos von Vincent Budd.

Das Concerto for Group and Orchestra wird am 28. September herauskommen.
Bestellen sie jetzt vor: Standard CD Edition und CD+DVD-Audio Edition mit 5.1 Mix.

Hören sie das Finale des dritten Movements – mit Jons Kommentaren:

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