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Afterparty bei Sunflower 2012: Danke Jon

Oktober 2, 2012

Wenn der Sunflower Jam 2011 die inoffizielle Krönung für Jon und seine Karriere war, dann war der diesjährige Sunflower Jam in der Royal Albert Hall am Sonntag dem 16. September sowohl die Totenwache als auch die Afterparty. Jons Sänger Steve Balsamo erwies dem fehlenden Maestro eine bewegende Würdigung, und Jedermann sonst stellte sicher dass die Musik lebendig blieb.

Rasmus Heides Bericht:

Planet Rocks Nicky Horne stellte das musikalische Programm des Abends vor und wies darauf hin dass all die Musik jemand gewidmet war, ‚der traurigerweise nicht hier sein kann, Jon Lord.‘

The Temperance Movement eröffnete die Show, gefolgt von Margo Buchanan (die ebenfalls Hintergrundgesang für Jon gesungen hat), Brian May (von Queen), Uli Jon Roth (Ex-Scorpions) und der klassische Tenor Alfie Boe, der – unter anderem – eine haarsträubende Version von Led Zeppelins Rock And Roll brachte.

Dann betraten Steve Balsamo und Violinistin Anna Phoebe die Bühne. Steve hatte erwähnt dass er ein paar Worte für Jon sagen würde, und dass er versuchen wollte nicht zu weinen.

Er erklärte wie er Jon bei einem der früheren Sunflower Jams zum ersten Mal getroffen hatte, wo er ein paar Songs sang, und dass ihn Jon ein paar Wochen später angerufen hätte:

‚Lieber Junge, ich mochte sehr was du gemacht hast, was würdest du davon halten, mit mir auf Tour zu kommen? Wir können die Welt bereisen, wir können viel Spaß haben, großartigen Wein trinken, und tolle Musiker treffen.‘

Steve antwortete ‚Yeah! Auf geht’s!‘

– Also tourte ich die letzten fünf Jahre oder so mit Jon, gemeinsam mit Kasia Laska, einer Freundin von mir, und Doogie White, der heute Nacht bei uns ist, sagte Steve, und erwähnte auch dass ‚die wunderschöne Anna Phoebe‘  letztes Jahr kam, um auf Jons Russland-Tour zu spielen.

Dann hörte die Albert Hall in bewegtem Schweigen zu, wie Steve seinen Brief an Jon vorlas:
(klicken Sie um aufzumachen/zu lesen – der Bericht geht unten weiter)

Lieber Jon

danke

Danke dass du den Mythos vertrieben hast, dass man seinen Helden niemals treffen sollte, aus Angst dass er einen enttäuschen könnte.

Seit du gegangen bist, haben viele, viele Leute nicht nur über den großen Musiker gesprochen und das Vermächtnis, das du hinterlassen hast, sondern auch über den Gentleman, der du warst.
Ich sah dies viele Male. Da waren immer Fans, natürlich, und du warst immer willens mit ihnen zu reden, ihnen Autogramme zu geben, und für Fotos zu posieren. Aber die Art, wie du dich unter anderen Musikern bewegtest, war für mich der wirkliche Augenöffner. Es war immer mit Geduld, immer mit Anstand, großem Humor, immer mit einer tiefen Hingabe an die Musik, Authentizität, und immer mit Ermutigung.

Jon! Danke auch dafür, dass du mich in dein Heim gelassen hast, um deine wundervolle Familie zu kennen, und dafür, dass du mich eingeladen hast, Musik mit dir zu schreiben. Was für eine Ehre all das war. die Früchte unserer Anstrengungen sind wunderschön, und ich werde immer mit mir nehmen, dass ich einen Einblick in deinen Prozess  bekam.

Auf die Gefahr hin sentimental zu werden, und ich weiß dass du das nicht gemocht hättest, weiß ich, dass du eine große Lücke ind en Leben von vielen Leuten hinterlassen hast, nicht zuletzt bei deiner Familie.
Aber ich ziehe es vor, es nicht als Lücke zu sehen, sondern als Rinne. Eine tiefe Rinne gefüllt mit wundersamer Musik, zu der viele Leute über viele kommende Jahre hinweg tanzen werden und von ihr bewegt werden.

Also, lieber Jon, werden wir heute Nacht einen Song bringen, den wir hier mit dir letztes Jahr aufgeführt haben, und der der letzte Song von dir sein sollte, den du jemals gespielt hast. Pictured Within.

Als ich wissen wollte, worüber der Song war, um wirklich hinter die Worte und die Musik zu kommen, sagtest du mir dass es dein persönlichster Song ist, er ist autobiographisch. Er ist über Vicky und die Kinder und die Familie, über Kind und Kegel, über diejenigen, die du am meisten liebst.

Also Jon, danke für die Musik, die Bescheidenheit, den Humor, den großartigen Geist, das Lernen, und mit etwas Glück werde ich dich auf der anderen Seite wiedersehen.

Gott segne dich, wir vermissen dich und lieben dich

Steve

Zwischendurch machte Steve kleine Pausen, um die Fassung wiederzuerlangen. Es war offensichtlich eine schwierige Situation für ihn, aber seine warmherzige Dankesbotschaft schien wundervoll. Und dann kam der Song.

Wix Wickens am Piano machte wundervoll nach was Jon üblicherweise spielte. Anna Phoebe hatte ein Violinsolo und Brian Auger setzte mit Schnipseln an der Hammond ein. Jons eigener Hammond, tatsächlich. Mehr davon später.

Es war alles sehr emotional. Nicht zuletzt weil, als die Musik spielte, die großen Videoschirme Material von Jon über die Jahre auf der Bühne in Zeitlupe zeigten; mit Purple beim California Jam; wie er die Hammond auf der Perfect Strangers Tour rockte; in den 2000-ern am Piano; beim Proben für das Concerto 1999.

Jon auf den Bildschirmen zu sehenbrachte die traurige Realität hart zu Bewusstsein; heute war nicht das erste Mal dass so viele Leute zusammengekommen waren wegen Jon – aber es war das erste Mal dass wir alle hier waren ohne ihn.

Gemischt mir Worten der Ehrung von Seinesgleichen, endete das Material mit einem brillanten Moment aus 1999, als Jon die Kamera entdeckt und leise mit den Lippen formt ‚Geh weg!‘ Im wahren Geiste von Jon endete die Würdigung auf einem Höhepunkt mit Lächeln und sogar Gelächter aus dem Publikum.

Nach einem weiteren bewegenden Song – diesmal von The Big C, einem triumphalen Chor von Männern und Frauen die gegenwärtig oder früher mit Krebs kämpften – wechselte die Stimmung wieder. Mark King (von Level 42) hatte ein kurzes Set und wurde gefolgt von der ‚anderen Hausband‘ des Abends; Ian Paice, zusammen jeweils zu unterschiedlichen Zeiten mit Led Zeppelins John Paul Jones (Bass), Brian May (Gitarre und Gesang), Brian Auger (Hammond), Iron Maidens Bruce Dickinson, Alice Cooper, Uli Jon Roth (Gitarre), Micky Moody (Ex-Whitesnake, Gitarre), Nick Fyffe (Roger Glovers Vaterschaftsurlaubs-Stellvertreter am Bass bei Purple vor ein paar Jahren) und Alfie Boe.

Black Night war ein aufregender totaler Jam von Paicey, Jones, Auger und May mit Dickinson der seinen besten Gillan-ischen Gesang gab. Dem folgte schnell Brian May am Gesang für Since You Been Gone – der Rainbow-Titel, den er oft mit seiner Brian May Band gebracht hatte, und der den verstorbenen Cozy Powell am Schlagzeug hatte.

Alice Cooper versetzte das Albert Hall Publikum in volle Partystimmung mit umwerfenden Versionen von Elected und School’s Out, und dann versammelten sich alle auf der Bühne für das Grande Finale von Smoke On The Water. John Paul Jones entschied sich dabei für die Kuhglocken, und der musikalische Direktor Wix Wickens spazierte über die Bühne, wies allen ihre Soli zu, und es endete mit einem verständlicherweise das Volk zum Jubeln bringenden Schlagzeugsolo von Ian Paice.

So endete der Sunflower Jam 2012 mit einem Höhepunkt, nachdem er einem der Seinen entsprechende Würdigung gezollt hatte. Jon war einer der ursprünglichen Förderer des Sunflowers, und einer der loyalsten Unterstützer. Es war ein Abend beinahe wie das Deep Purple Konzert, das Jon selbst mit den Worten einleitete: ‚wir werden wirklich leise beginnen – und dann schicken wir euch taub nach Hause!‘

Würdig einer speziellen Erwähnung ist Brian Auger, der die ganze Zeit hindurch einen fantastischen Job machte. Ian Paice hatte erwähnt wie Auger aus L.A. einflog um die Hammond-Pflichten zu übernehmen, und als er Jons alte Hammond spielte war es beinahe so, als ob sich das Instrument erinnerte. Wie auch immer, mit allem Respekt, war es ebenso offensichtlich wie einfach brillant Jons Spiel war, komplett einmalig und unmöglich nachzumachen.

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