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– Ich bekam Gänsehaut von der bloßen Vorstellung

Juli 6, 2014

In diesem exklusiven Interview blickt Dirigent Paul Mann zurück auf Celebrating Jon Lord, das Konzertereignis das dieses Jahr am 4. April in der Royal Albert Hall stattgefunden hat.

Paul gewährt Einsicht in seine Erfahrungen damit, dem Sunflower Jam zu helfen, den einmaligen Abend zu schaffen, der eine erfolgreiche Würdigung von Jon Lord und einem Leben mit seiner Musik war. Dies ist Teil Eins von Drei.

Seit Jon verstorben ist hat Paul daran gearbeitet, neue Auflagen von Jons Werken zu produzieren. Diese Arbeit machte ihn zu einem integralen Partner für den Sunflower Jam, als die Vorbereitungen für Celebrating Jon Lord begannen.
Neben seinem Input in die Setlist von Jons Musik, die bei dem Konzert aufgeführt werden sollte, war eine von Pauls ersten Ideen für dieses Konzert, orchestrale Arrangements zu zwei Stücken von Deep Purples jüngstem Album, NOW WHAT?! hinzu zu fügen.

Lesen Sie hier über die ersten Treffen um das Konzert auf den Weg zu bringen, die hektischen Proben, und noch viel mehr.

Zurück blickend auf Celebrating Jon Lord in der Royal Albert Hall am 4. April, würden Sie zustimmen dass dies viel mehr war als ein gewöhnlicher Abend mit Musik?

– Ja, da war für sehr viele Leute ein sehr starkes Element von Katharsis dabei – ein Weg um mit ihren Gefühlen über den Verlust von Jon umzugehen. Mit all diesen Emotionen zusammen in einem Raum, sogar (oder vielleicht gerade weil) in einem Raum so groß wie die Royal Albert Hall, musste etwas Besonderes passieren. Und der unglaublich bewegende Auftritt von Vicky auf der Bühne mit Ian an ihrer Seite – es war so mutig von ihr das zu tun – das bestimmte die emotionale Tonart für den ganzen Abend.

Wenn Sie in ihrem Geist jetzt zurück zu diesem Abend gehen, woran erinnern Sie sich, das durch Ihren Kopf ging?

– Ich nehme an, direkt gesprochen, eine riesige Menge an Konzentration auf die gerade vorliegende Anforderung. Da war eine Menge an Verkehr zu kontrollieren! Aber davor, zwischen einem Schwatz mit Bob Harris (mit dem ich einen Umkleideraum teilte), meinem Anzugwechsel, und damit, meinen Teil für die Dokumentar-Kameras zu machen, war nicht viel Zeit um herum zu sitzen und über Dinge nachzudenken. Über mehrere Tage danach fühlte ich mich irgendwie taub, als ob die ganze Sache jemand anderem passiert wäre.

– Es gibt einige Maßstabs-Momente in der Musik die wir spielten – zum Beispiel im Ausschnitt des Durham Concerto; es ist nach der zweiten Melodie in den Flöten, wo die zwei Solisten diese Melodie in Oktaven haben – irgendwie ist Jon wirklich ‚präsent‘ in dieser Musik.

– Kleine Momente wie dieser, wo die Erregung besonders stark war – ich fühlte bei den Proben ein paar Mal ein gewisses Prickeln hinten in meinen Augen, aber nicht beim Konzert. Der Dirigent ist dazu da, das Publikum zu bewegen, nicht sich selber!

Jon erzählte mir, dass er keine Erinnerung an die tatsächliche Aufführung des Concerto 1969 hatte. Seine Erinnerung begann damit, dass er seinen Kopf nach dem letzten Akkord hob, und das Publikum explodierte. Haben Sie die gleiche Erfahrung?

– Ja, ich kann das nachfühlen. Vielleicht werde ich, wenn ich das Video des Konzerts sehe, damit anfangen, mich an Dinge klarer zu erinnern.

Wir werden zum Video und dem Konzert zurückkehren, aber lassen Sie uns jetzt zum Anfang gehen. Können Sie uns sagen, wie das Celebrating Jon Lord Projekt anfing? Wer war bei den ursprünglichen Treffen, etc.?

– Wir trafen uns früh im letzten Frühling 2013 zuerst in einem Pub in der Nähe von Henley zu einem Mittagessen, sehr großzügigerweise eingeladen von den Paice und Lord Familien. Das Erste war, damit zu beginnen darüber zu reden, welche Art von Form das Konzert annehmen konnte, und wo es sein sollte.

– Offensichtlich wussten wir dass es ohne Orchester kein ordentlicher Tribut für Jon sein konnte, also warf ich gleich zu Anfang ein, dass wir ein ausgewachsenes Symphonieorchester mit 90 Musikern brauchen würden, was die anderen dazu brachte, einen weiteren Drink zu bestellen. Aber als der Schock erst einmal abgeklungen war, weiß ich dass das Sunflower Jam Büro und Jons unermüdlicher Manager Tarquin Gotch eine riesige Menge an Arbeit hinter den Kulissen machten, um die notwendigen Zahlen zu jonglieren und das Orchester möglich zu machen.

– Nach einer Menge an allgemeinem Gespräch beim ersten Treffen kamen wir ein paar Wochen später im Garten der Familie Paice wieder zusammen, diesmal in einer etwas größeren Gruppe, die Rick Wakeman und Bruce Dickinson einschloss, und alles begann, etwas mehr Gestalt anzunehmen.

War der ursprüngliche Plan nicht, das Konzert im letzten Herbst zu halten?

– Es gab etwas Gerede dazu, aber unter Anderem war die Albert Hall nicht frei, und es war es wert, dafür zu warten. Wie Leonard Bernstein einmal sagte, „Um etwas zu erreichen ist alles was du brauchst ein Plan und nicht genügend Zeit.“ Also wurde es April.

– Was das Sichern eines Orchesters angeht, so wussten wir dass, mit Zahlungen für Aufnahmen und Filmen, sowie der Probenzeit die wir brauchten, die Kosten für eines der wichtigeren Londoner Orchester jenseits unserer Möglichkeiten waren. Also wurden verschiedene Lösungen erwähnt, und es war Rick Wakeman, der das Orion Orchestra vorschlug, mit dem er gearbeitet hatte und von dem er sehr beeindruckt war. (Gegenwärtig reist er mit ihnen zum Mittelpunkt der Erde) [Paul spielt auf Rick Wakeman’s Journey To The Centre Of The Earth an. Ed. http://rickwakemansjourneytothecentreoftheearth.com/%5D
Sie waren dafür perfekt: jung, energetisch, und komplett bereit, sich auf die Sache einzulassen.

Welche anderen Stücke wurden diskutiert für das Konzert, aber nicht gespielt?

– Offensichtlich hing viel von dem, was hätte geschehen können, davon ab dass bestimmte Leute involviert waren, und es brauchte eine lange Zeit dafür, dass alle Puzzlestücke an ihren Platz fielen. Einige Stücke fielen an ihren Platz, und dann wieder fort. Die unglaubliche Menge an Arbeit die im Sunflower Büro von Jacky und Emmy Paice und Cat Sims gemacht wurde ist etwas, das ich nur vermuten kann. Ich glaube dass sie im Ablauf vor dem Konzert mehr als 15.000 Emails ausgeschickt hatten, was ich sehr wohl glauben kann.

– Die Setlist ging durch mehr als 30 Entwürfe, und war nicht einmal vor dem Tag des Konzerts endgültig fixiert. Die letzte Änderung, um die Glenn bat, und die ein Geniestreich war, war, die Reihenfolge von Burn und This Time Around zu ändern, was seinem Set gestattete, in dieser sehr emotionalen und persönlichen Art zu enden.

– Jeder, der die gedruckte Setlist der Nacht sieht wird auch bemerken dass Smoke on the Water tatsächlich als „TBC“ [to be confirmed – muss noch bestätigt werden] darauf ist. Die Familien hatten sich alle in einem sehr frühen Stadium darauf geeinigt dass Smoke einmal nicht enthalten sein sollte. Natürlich ist es ein großartiger Song, und einer zu dem Jon einen wichtigen Beitrag leistete – der gänzlich un-offensichtliche Tonartwechsel nach A Moll im Refrain ist von ihm – aber Hush schien eine passendere endgültige Zugabe für eine Feier von Jon.

– Und dann, ein paar Tage vor dem Konzert, wurden Bedenken geäußert über die Erwartungen des Publikums. Nur für den Fall, und um keine Enttäuschung zu verursachen, hatten wir die Orchesterparts vom 1999 Konzert ausgegraben. Am Ende fühlte die Band dass es nicht notwendig war, also blieben wir bei Hush. Ich bin glücklich dass wir es taten.

– Mein Hauptbeitrag zu der Art wie das Konzert letztendlich strukturiert war, war, eine erste Hälfte aus Jons klassischen Stücken und semi-klassischen Stücken zusammen mit einer repräsentativen Auswahl seiner jüngeren Songs zu formen, und all das Rock-Zeug für die zweite Hälfte aufzusparen. Es war eine Gelegenheit, eine gute generelle Form zu schaffen, ebenso wie die richtigen individuellen Stücke zu enthalten.

Was ist mit Child in Time? Es ist so ein bedeutendes Stück aus Jons Rock-Karriere, aber die Frage wer es singen sollte – oder konnte – hätte eine schwierige Situation geschaffen?

– Ja, in der Tat. Child in Time war nie eine Option. Es wäre komplett falsch gewesen mit Ian Gillan im Gebäude jemand anderen zu fragen, es zu singen, selbst wenn es irgendjemanden anders auf der Welt gäbe, der dem auch nur nahe käme, wie er es gemacht hat. Jons Orchesterversion ist extrem effektiv und kraftvoll, aber ich denke nicht dass sie für diese Umstände richtig war.

Wie wurde entschieden, wer in das Konzert involviert würde?

– Da waren eine Menge Diskussionen, und natürlich waren die Familien die treibende Kraft hinter dem Ganzen.

– Es war offensichtlich dass DP ein Set machen würden. Und als ich zum ersten Mal Now What?! hörte, war eines der ersten Dinge die ich tat, Ian Paice zu fragen, ob ich Above and Beyond und Uncommon Man für die Show orchestrieren könnte. Dies sind die zwei Songs auf dem Album mit spezifischen Verbindungen zu den Gefühlen der Band über den Verlust von Jon. Das war eine der ersten Ideen für mich – und ich bekam Gänsehaut nur bei der Vorstellung davon.

– Dann war es eine Frage zu versuchen, so viele der Stränge des Musiklebens wie möglich von Jon darzustellen. Erste Gedanken waren, dies chronologisch zu tun, aber das scheiterte bald aus ziemlich offensichtlichen Gründen. Der ständige Wechsel von Stilen, und die daraus resultierenden musikalischen Höhen und Tiefen, hätte nicht funktioniert.

– Vielleicht sollte ich auch erklären, warum wir nichts vom Concerto [for Group and Orchestra] spielten. Man war der Meinung, dass das Stück war bereits sehr viel gespielt worden war, und durch die verschiedenen Live-Aufnahmen, die Tour im Jahr 2000, Jons neuere Aufführungen, und die neue Studioaufnahme sehr gut bekannt war. Auch hätte es schwierig sein können, eine Band dafür zu finden und zu casten, unter der Annahme dass Deep Purple nicht die Zeit gehabt hätten, es wieder einzustudieren. Das Stück ist den besten Teil einer Stunde lang, und es ist schwierig, Teile daraus zu extrahieren. Also ergriffen wir am Ende die Möglichkeit, Dinge, die sonst nicht live gehört werden könnten, aufzuführen.

Wix Wickens war musikalischer Direktor für das Ereignis. Wie haben Sie und er Ihre Rollen in der Vorbereitung für das Konzert geteilt? Es muss eine unglaubliche Menge zu koordinieren gewesen sein?

– Ja, viele, viele E-Mails und Skype-Gespräche! Wix wurde eine entscheidende Verbindung für mich, weil er die Sprache spricht, die die beiden Welten von Rock- und klassischen Musikern verbindet. Er ist ganz einfach ein fantastischer Musiker um mit ihm zusammen zu arbeiten.

– Wir wussten immer, wir würden einen MD [Musikalische Leitung] brauchen, um mit der Band zu arbeiten, und Wix’s exzellente Arbeit bei den früheren Sunflower Jams machte ihn zu einer offensichtlichen Wahl. Aber seine Verpflichtungen mit Paul McCartney bedeuteten, dass er nicht in der Lage war, bis kurz vor dem Ereignis ein endgültiges „Ja“ zu geben.

– Es war schließlich eine wunderbare Nachricht, ihn an Bord zu bekommen, und das erste, was wir taten, war, die Setlist durchzugehen, und herauszuarbeiten, wer was spielen würde. Anschließend verbrachte er Tage mit allen am Telefon, fügte alles zusammen, und sein Beitrag zur Show war offensichtlich immens.

– Es ist eine Quelle ständigen Erstaunens und Belustigung für mich (wie ich weiß, auch für Jon), wie klassische Musiker alles Jahre im Voraus vorbereiten, und Rock-Musiker scheinen in der Lage zu sein, alles so viel schneller zu tun.

Eine ziemlich luxuriöse Liste an Keyboardspielern trat bei dem Konzert auf. Wie wurde entschieden, wer welche von Jons eigenen Parts spielen würde – einschließlich Sie selber auf Afterwards?

– Das war Wix ‚Domäne. Es war ein Luxus, in der Lage zu sein, alles zwischen solchen Leuten wie Don Airey, Rick Wakeman, Andy Wallace, Nigel Hopkins, und natürlich Wix selbst zu verteilen. Ich endete damit, Afterwards zu spielen, hauptsächlich weil es das einzige auf dem Konzert war, das einen „klassischen“ Stil des Klavierspiels benötigt.

– Also wurde ich noch eine weitere Person um nur einen Aspekt von Jon zu ersetzen, und es ist letztlich erstaunlich, wie viele Musiker es braucht, um für Jon Lord einzuspringen!

Die Anzahl der Keyboard-Spieler war gigantisch – aber es scheint, die Teile auszustreuen war der einzige logische Weg, um die Idee abzuschwächen, dass ein oder zwei Spieler eine Hommage an Jon spielten. Es refokussierte Jeden auf die Musik und nicht den Spieler.

– Ja. Dies geschah durch Glück und auch durch Notwendigkeit. Es gäbe zum Beispiel keinen anderen Weg, um alle Overdubs auf so etwas wie Burn abzudecken. Aber Sie haben Recht, es ging in erster Linie um die Musik.

– Ich denke, dass wir eine gute Balance gefunden haben. In einer Situation wie dieser, ist es gefährlich, die Bühne mit zu vielen Leuten zu überladen, aber ich denke, wir nutzten die Gelegenheit für eine Luxusbesetzung, ohne zu weit über Bord zu gehen.

– Jeder Künstler brachte etwas Besonderes zu dem Konzert, mit ihren individuellen Spielweisen, aber alles war im Dienst der Musik. Wie es natürlich immer und in jedem Fall sein sollte.

Nebenbei, haben Sie die etwas lautere Stimme der Anerkennung für Neil Murray bemerkt, als er angekündigt wurde?

– Ja … Es war schön. Es war eines der besten Dinge an dem Konzert für mich, mit solchen Leuten zu arbeiten. Eine Sache, die ich sofort über Neil bemerkte ist, dass er eine Aufmerksamkeit zum Detail hat, die ich sehr schätze.

Lassen Sie uns über all die Orchester-Arrangements für dieses Konzert zu sprechen. Seit Jons Tod haben Sie seine Partituren für die Veröffentlichung bearbeitet. Wie sind Sie an die Aufgabe, alles für Celebrating Jon Lord vorzubereiten, herangegangen?

– Sobald die Show begann, Gestalt anzunehmen, wusste ich, es war unmöglich für mich, genügend Zeit zu haben, um alles selbst zu tun haben. Richard Whilds ist ein alter Freund und viel gefragt als Arrangeur, nachdem er kürzlich wichtige Alben für Sony Künstler wie Vittorio Grigolo gemacht hat. Er war meine erste Wahl, mir zu helfen, und er kümmerte sich um die Mk.3-und PAL-Songs.

– Er ist die perfekte Person dafür – er kennt und liebt die Musik, hat aber auch die Phantasie eines Komponisten, was ihm einen besonderen Vorteil gibt.

– Ich sollte auch mit viel Dankbarkeit hier die Hilfe erwähnen, die ich von Steve Bentley-Klein für Hush und von Nigel Hopkins und Ben Robbins für All Those Years Ago erhielt. All diese Herren lieferten wichtige musikalische Parts für das Konzert.

– Was meine eigenen Partituren angeht, fielen sie in zwei Kategorien: die Ausgaben von Jon eigener Musik und seine eigenen Orchestrierungen, die alle neu vorbereitet und als Teil der laufenden Edition graviert wurden. Dann gab es die, die ich von Grund auf machte- die meisten vom Purple-Set, und der Rest der Jon Songs.

– Eine Sache, über die ich erfreut war, war, dass wir, nach all der Arbeit, bei den Proben nur ein paar kleine Fehler in den Orchesterparts entdeckten: falsche Noten in Pictured Within, und im Durham Concerto. Auf einem von Jon Alben ich bekomme eine Erwähnung für „warmherzig Pedanterie“, und so bin ich froh, dass diese Qualität lebendig und gut zu sein scheint, auch in seiner Abwesenheit.

Sie erwähnten die Komplexität von Burn. Wie waren die Proben dafür?

– Es war fantastisch. Das geniale Arrangement von Richard Whilds war ein wahres Minenfeld an orchestraler Virtuosität. Wir verbrachten einige Zeit an dem Tag der nur für das Orchester war mit der Arbeit daran, und dann kam Glenn am Donnerstag und hat uns einfach umgehauen. Ich hatte befürchtet, dass die Komplexität der Anordnung uns aufhalten könnte, aber es tat überhaupt nicht. Im Gegenteil – es hat uns wirklich geholfen zu fliegen.

Burn aus Performance-Sicht zu studieren hat auch gezeigt, was für ein tolles Lied es ist – strukturell, ist es sehr subtil, mit viel ungleichen Längen in Phrasen, cleveren Drehungen und Wendungen, die blendend schnell vor sich gehen. Obwohl ich es mein ganzes Leben gehört habe, habe ich es zuvor nicht vollständig gewürdigt. Ich bin mir sicher, dass die Hand von Jon stark in der subtilen Gestaltung des Songs gegenwärtig war.

Was waren Paiceys Reaktionen auf die Mk 3 Sachen – in der Tat die ganzen Purple Sachen, die Sie oder der Rest der Gruppe vorschlugen?

– Ian war wie immer eine sehr einfache Person, um mit ihm die Dinge zu diskutieren. Das Purple Set wurde schon früh vereinbart. Wir sprachen über Wring That Neck, in der gleichen Version, die im Jahr 1999 aufgeführt wurde, aber das fiel zu Gunsten von Lazy, das vielleicht noch mehr ein Song von Jon war. Was Mk. 3 betrifft, denke ich dass Ian auch noch gelegentlich einige der Songs in seinen Ausflügen mit Tribute-Bands spielt.

– Ian ist jemand, den ich respektiere und dem ich sehr vertraue. Seine Leichtigkeit mit den Dingen verbirgt ein sehr kluges Urteilsvermögen. Zum Beispiel hatte ich eine Orchestrierung für Silas & Jerome gemacht, aber die Idee fühlte sich für ihn nicht richtig an, und es stellte sich heraus, dass er zu 100% recht hatte.

Gehen wir weiter zur Woche des Konzerts, das am Freitag, 4. April war, können Sie näher auf die Proben eingehen, die Sie alle mitgemacht haben?

– Die Proben gingen so: am Dienstag vor dem Konzert hatte die Hausband ihre erste Probe bei John Henry. Ich war dort, um alles zu tun was ich konnte um zu helfen, vor allem mit den Sarabande-Stücken, und ich habe meinen alten Trick angewendet, das Orchester auf dem Klavier zu imitieren, während die Band an ihren Parts arbeitete.

– Dann am Mittwoch, ging ich zu St.-Mary‘s-Church, in der Nähe der Baker Street, die unsere Schauplatz für die Orchesterproben war. Am ersten Tag war das Orchester allein, während die Band weiterhin bei John Henry arbeitete, und am Donnerstag, kamen alle in St. Mary’s zusammen, sodass alles bereit war für die Generalprobe in der Albert Hall am Freitag Nachmittag.

– Die Probezeit war heiß begehrt, und wir brauchten jeden letzten Moment davon. In der Tat ging die Orchester-Zeit in der Albert Hall am Tag des Konzerts aus, und ich war wieder am Klavier und imitierte das Orchester, während wir die Struktur von Hush mit der Band und den Gästen etwa 30 Minuten bevor die Türen geöffnet wurden fixierten. Und meine einzige Probe mit Jeremy Irons war ein Schnelldurchlauf um 18.00, kurz vor dem Konzert. So war es alles sehr eng. Aber wir haben es geschafft.

– Als wir 1999 das Concerto spielten hatten wir Glück, denn wir hatten die Albert Hall auch am Tag vor dem Konzert. Kein solcher Luxus dieses Mal!

Also hatten Sie lediglich Donnerstag und Freitag Nachmittag für alle zusammen im gleichen Raum? Das klingt sehr verdichtet.

– Am Donnerstag hatten wir sechs Stunden, zwei Sitzungen von je drei Stunden mit Band und Orchester. Diese Zeit wurde sehr eng geplant, um sicherzustellen, dass jeder aufgerufen wurde wenn er gebraucht wurde, und niemand unnötig warten musste. Ich hatte auch 6 Stunden mit dem Orchester allein am Mittwoch. Die Standardlänge für Orchester Generalproben beträgt 3 Stunden, aber es gab nie eine Möglichkeit, das in dieser Zeit durch zu bekommen, so dass wir eine Ausnahmegenehmigung vom Orchester bekamen, dies auf vier Stunden zu verlängern.

– Die Hauptsache zu den Proben war es, einen Plan zu machen und dann dabei zu bleiben. Zum Glück funktionierte es, mit der großartigen Unterstützung von allen Betroffenen. Dies war ein weiterer Aspekt der Operation, wo sich die unglaubliche Menge an Arbeit vom Sunflower Jam Büro wirklich gelohnt hat.

Der technische Aspekt ist auch wegen der historischen Schwierigkeiten für die Mikrofonierung und das Mischen des Orchesters. Ich nehme an, die Toningenieure bereiteten sich dafür bereits während der Proben in St. Mary‘s vor?

– Ja. Es war schwierig, in der Generalprobe am Donnerstag für alle genau zu sagen wie es sein würde, denn obwohl alle Geräte und das Sound Personal anwesend waren, war es nicht möglich, das Orchester zu verstärken.

– Dass alles so reibungslos funktionierte, ist eine massive Hommage an eine unermüdliche und brillante Technik-Crew, die einen komplizierten Gang in St. Mary‘s für die Donnerstag Probe zu machen hatte, und dann alles hinüber in die Albert Hall bringen musste für einen sehr frühen Durchlauf am Freitag, um dann wiederum alles für einen Probenstart um 1.30 fertig zu bringen.

– Die technischen Herausforderungen für eine Show wie diese sind enorm: 85 Musiker im Orchester, sowie all diese Gäste, von denen allen die Bedürfnisse hinsichtlich Klang und andere Faktoren berücksichtigt werden mussten. Eine Orchester dieser Größe zu verstärken und es nicht nur mit einer, sondern mehreren Typen von Rockbands zu mischen stellt besondere Probleme, obwohl die Technologie dafür jetzt extrem hochentwickelt ist. Es erfordert immer noch Menschen mit großen Fähigkeiten und einem Verständnis für beide Welten, um alles zusammen zu bringen. Vom Toningenieur Gert Sanner zum Produktionsmanager Andrew Thornton und allen dazwischen.

– Wir hatten verschiedene Personen jeweils mit speziellen Aufgaben – zum Beispiel eine Person, deren Aufgabe es war, zu wissen dass er an einem bestimmten Punkt, ein Cello-Solo, oder ein Klarinettensolo, oder was auch immer, hervorzuheben hatte Ich hatte auch eine ausgezeichnete Mitarbeiterin, Ellie Verkerk, die einen hervorragenden Job machte, die Partituren zu lesen und die Kameras während des Konzertes zu dirigieren, um sicherzustellen, dass jede der zehn Kameras immer die richtigen Aufnahmen machte.

– Es folgte uns auch die Dokumentarfilm-Crew des Sunflower Jams die ganze Zeit, also wird die ganze „Making of“ Geschichte in einem Film erzählt, der mit dem Livekonzert veröffentlicht wird. Zwischen den Proben machten wir alle „wie geht es“ Interviews, und so was.

– Am Nachmittag des Konzerts fragte der Regisseur des Konzertfilms was meine normale Routine vor einem Konzert wäre, und ob ich etwas dagegen hätte, wenn der Moment unmittelbar bevor ich auf die Bühne ging gefilmt würde. Normalerweise bin ich vor einem Konzert schlechte Gesellschaft – nicht so sehr weil ich nervös werde, sondern viel mehr extrem ungeduldig, endlich weiterzumachen. Also war das ein guter Weg, um was auch immer an weniger Zeit da war zwischen dem Ende der Proben und dem Auf die Bühne Gehen zu verbringen.

– Also filmten sie mich fünfzehn Minuten vor dem Konzert, wie ich die Korridore der Albert Hall backstage durchwandere, Taktstock in der Hand, ‚nachdenklich‘ drein sehend.. An einem Punkt, legten sie die Kamera auf den Boden und baten mich, auf sie zu zu gehen. Gott weiß, wie diese Aufnahme aussehen wird, vor allem da Mr. Wakeman direkt neben der Kamera sein Bestes tut, mein ernsthaftes Gesicht zu stören.

– Wie auch immer, sie waren ein tolles Team, und ich kann es nicht erwarten, die Ergebnisse zu sehen.

– Was ich beinahe am meisten bedauere am Konzert 1999 ist das Fehlen von Reportagen darum herum. Ich nehme an, die ganze Sache war so schnell zusammen gekommen, dass niemand Zeit hatte, daran zu denken. Aber es gab so viele Geschichten, so viele Situationen, so viel darum herum, das für immer verloren ist. Ich bin froh, dass wir das dieses Mal vermieden.

Auf der alten DVD gibt es da diesen Clip von Jon, der in die Kamera bei einer Orchesterprobe sagt: GEH WEG!

– Ach ja, das war in Argentinien auf der ersten Etappe der Tour in 2000. Wir essen Sandwiches, und die Hörner üben den ersten Satz im Hintergrund. Nebenbei bemerkt, BEGANN diese Probe um 23:00, nachdem das Orchester bereits seine Tagesarbeit geleistet hatte. Ich hatte niemals in meinem Leben solche Probleme, Disziplin zu erzwingen.

Apropos Purple, wie gingen die Proben dieses Mal?

– Es war meist sehr einfach und effizient.

– Wir brauchten eine Weile, um zur richtigen Version von When A Blind Man Cries zu kommen, welches die ursprüngliche „lange“-Concerto-Tour-Version war, sowohl mit einem Hammond- und einem Gitarrensolo. Ich denke, sie haben letzthin eine kürzere Version gespielt.

– Aber wie immer ist es eine Freude und solch ein Privileg, Musik mit ihnen zu machen.

– Eines der Dinge, die die Orchester mit denen wir tourten, immer beeindruckte, war die Fähigkeiten der Band als Improvisierer. Mia, meine Verlobte, die im Orion Orchester hier die zweite Geige spielte, und die, wie Sie wissen, im rumänischen Orchester auf der Concerto Tour war, sagt immer wie beeindruckt sie war, dass sie auch noch nach dreißig Vorstellungen immer noch jede Nacht etwas anderes zu spielen finden.

– Multiplizieren Sie das mit den tausenden von Vorstellungen die sie vom Meisten ihres Repertoires gemacht haben, und Sie bekommen eine Idee, wie außergewöhnlich dieser Aspekt an dem was sie tun wirklich ist. Natürlich war das einer der wichtigsten Aspekte von Jons Genie, und Don trägt diesen Mantel auf großartige Weise.

– Das ist etwas, was Teil der Ausbildung eines jeden klassischen Musikers zu sein pflegte – zum Beispiel, Bach, Mozart und Beethoven waren alle außergewöhnliche Improvisierer, und von jedem Darsteller ihrer Musik wurde erwartet, dass er in der Lage war zu improvisieren, zum Beispiel in den Konzert-Kadenzen.. Aber die Fähigkeit des Kreativen und des Re-Kreativen wurden in den modernen klassischen Musiker weitgehend voneinander getrennt, sehr zu ihrem Nachteil, denke ich. Eine weiere Sache, die von Rock-Musikern lernen können!

ENDE VON TEIL 1

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